Psycho-Yuppie-Geschwister
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USA, IV
San Francisco. Nach ein paar Stunden Fahrt in unserem äußerst billigen Chevrolet Impala kommen wir im Marriott an. Natürlich viel zu spät, aber daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Sogar US-S, der normalerweise für mich stets ein Vorbild in punkto Pünktlichkeit war.
Wir packen unsere Sachen aus. Wir bedeutet konkret: US-S., F., M. (die Braut) und ich. Aus Kostengründen schlafen wir alle in diesem einen Doppelzimmer, was ich zwar für eine sehr dumme Idee halte, aber ich vermute, daß US-S sich über das Ausmaß meines Schnarchens zu wenig Gedanken gemacht hat.
Der Junggesellenabschied steht an. Dem Anlaß und der Temperatur in San Francisco angemessen entscheide ich mich für eine neu erstandene, stone-washed Jeans von Levis, mein La-Martina-Hemd und das Paul-Smith-Sakko, dazu Deckschuhe (Sebago). Die Wahl wird sich als goldrichtig erweisen.
Kaum zwei Stunden nach dem offiziellen Beginn treffen wir im Irish Pub ein. Der erste Teil der Party findet noch gemeinsam statt, so daß ich J. in einem hautengen, gestreiften Kostüm bewundern darf; ein Anblick der mich den Abend über nicht loslassen wird. Das Essen ist bereits vorbei, als wir ankommen, dafür wurde extra für uns Deutsche die Wiederholung des Spiels gegen Italien hervorgekramt und erfreut unser aller Gemüt. Keine Chance, die Katastrophe nicht zu sehen: Auf vier Fernsehern und einer Leinwand sehen wir, wie sich die Italiener durchaus nicht unverdient ins Finale spielen.
Kurze Zeit später fährt bereits die Limousine vor, die den männlichen und deutschen Teil der Gruppe abholen und durch San Francisco kutschieren soll. Es wird eine wirklich tolle Fahrt: Über die Bay Bridge (mit mindestens 80mph), an diverse Aussichtspunke mit Blick über die hell erleuchtete Stadt, an die Lombard Street, durch die wir zu Fuß laufen müssen, uns dabei erleichtern, bis hin zu einem ominösen Jazzclub. Während der Fahrt trinken wir St.-Pauli-Girl (www.stpauligirl.com), eines der schlechtesten Biere, die ich jemals trinken durfte.
Aber ich erlebe den US-S zum ersten Mal wieder richtig entspannt, wir unterhalten uns über Musik, über Volkswirtschaft, über Harvard. Und ich lerne auch die anderen Freunde aus Deutschland kennen. Es gibt niemanden darunter, der nicht irgendwie interessant ist.
Spät nachts im Hotel. Ich schlage F. vor, noch eine Flasche Wein zu öffnen. Nur nicht zum Nachdenken kommen. Geist betäuben, Unsinn reden. Ich rauche trotz absoluten Rauchverbotes einige Camels, irgendwie von der angenehm betrunkenen Runde toleriert. Die Braut trifft eine halbe Stunde nach (!) uns ein, stimmt kurz in das Geschnatter ein, bis wir ziemlich überdreht ins Halbkoma fallen. Aber wir können ja ausschlafen.
Der US-S. nicht. Als der Rest unserer Zimmergemeinschaft langsam das erste Auge öffnet, ist er bereits Joggen gewesen und hat Frühstück mitgebracht. Manchmal ist er mir unheimlich.
Mir fallen meine Träume wieder ein. Es war die zweite Nacht...
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