
Ich muß es zugeben: In den letzten Tagen sind meine Chancen, im nächsten Leben als toupierter Regenwurm wiedergeboren zu werden, drastisch gestiegen. Also hilft nur eins: Eine gute Tat. Mindestens eine. Und wo ist der beste Ort, um eine solche zu vollbringen? Genau. Mitten in einer überfüllten Bar mit betrunkenen Menschen in Feierlaune.
Nach einem sehr angenehmen Abend mit M.,
Matt und
Marco, den wir vor allem damit zubrachten, über den
Unterschied zwischen Zombie- und Vampirfilmen zu debattieren, wobei Matt nebenher noch die Anwesenden am Flippertisch abzog. Der Automat quittierte seine recht überzeugende Spielweise mit der Aussage „GREED”, wodurch er mir irgendwie sympathisch wurde, wenn das bei einer Maschine überhaupt geht.
Anschließend schleppt Marco fast eine Islamistin ab, die sicherlich, wie ich ihm im Anfall äußerster Blödheit mit debilen Grinsen mitteile, im Bett abginge wie eine Rakete; leider kommt kurz nach diesem bombigen (!) Spruch auch schon ihr Freund, wodurch die ganze Situation sowieso unhaltbar wird und wir den Laden wechseln, Matt und Marco aber verschwinden währenddessen.
Quer: Raucherlounge. Ich betrachte mit großem Interesse eine wundervolle Schwarze, die sich allerdings ihrer Schönheit sehr bewußt ist, weswegen ihr auch kein Mann besonders nahe kommt. Jangstaa hustet sich vor dem Laden die Seele aus dem Leib, M. und ich plappern Unsinn auf unserer Meinung nach hohem Niveau, dann ist die Schwarze weg, wir auch, und ich habe immer noch keine gute Tat vollbracht, während M. bereits das Hessen-Dilemma mit vier unglaublich brillanten Vorschlägen gelöst hat und das Ganze salopp abschließt mit den Worten: „Wenn das jetzt auch nicht funktioniert, dann weiß ich auch nicht.”
Die Gruppe reduziert sich auf Jangstaa und mich.
Wir treffen ein paar ihrer Freunde, ich kenne allerdings kaum einen von ihnen, und die einzige weitere Person, die uneingeschränkt sympathisch ist, kenne ich bereits. Also unterhalte ich mich mit ein paar volltrunkenen Jura-Studenten (dem Aufzug nach zu urteilen: karierte Ralph-Lauren-Hemden mit Button-Down-Kragen und darüber Pullis von Hilfiger oder so) und warte darauf, daß irgendetwas passiert, das dem Abend wieder die Richtung weist.
Ein betrunkener Kerl tanzt bereits seit geraumer Zeit um die Mädels unserer Gruppe herum, die das wiederum wenig begeistert zur Kenntnis nehmen. Als er dann einer moppeligen Blonden ein Gespräch derart aufzwingt, daß sie hilfesuchend die Augen verdreht, kann ich endlich ein paar Karmapunkte sammeln: „Na Schatz, amüsierst Du Dich?” frage ich sie, umarme sie und drehe sie weg von dem Kerl, der ziemlich verdutzt aus der Wäsche guckt, sich kurz überlegt, ob er sich nun mit mir anlegen sollte, dann aber beschließt, mich zu seinem Freund zu machen, um mich dann über Jangstaa aufragen zu können. „Ihr Freund ist ein totaler Psychopath, ” versuche ich ihn auf andere Gedanken zu bringen, und es freut mich ungemein, daß es nur zur Hälfte gelogen ist, „mit dem möchtest Du Dich nicht anlegen.”
Den letzten Punkt kann ich aber dann doch nicht mehr holen, als ich einer mehr als besoffenen Frau am Tresen, die in ihren Wodka heult, meine Hilfe anbiete, aber sie nicht mehr ins Taxi setzen kann, weil meine Schwester von einem Typen im beigefarbenen Tommy-Sakko erdrückt wird, weil er sich nicht mehr auf den Beinen halten kann und ihre Kniescheibe als probates Mittel zur Sturzmilderung ansieht.
Ob ich nun meinen Sünden genug gute Taten gegenübergestellt habe? Zumindest als Heuschrecke könnte ich wohl wiedergeboren werden.