Konzert-Hopping. Raus aus dem Stadtpark und auf die Reeperbahn. Ein krasser Gegensatz. Ein Konzert unter freiem Himmel in Barmbek, dann eines in der
Hasenschaukel auf St. Pauli. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet.
Matt Wagner glaubt ja immer, mit dem Begriff Singer/Songwriter sei ein vernünftiges Maß an Information verbunden. Ich hingegen weiß eigentlich nicht so genau, welche Musikrichtung mich erwartet, wenn sie von jemandem gespielt wird, der eben auch seine Lieder und Texte selbst schreibt. Eine unbekannte Künstlerin sei es, aber sie sei sehr gut, wird mir erläutert. Als wir uns auf den Weg machen, spielt „Element of Crime” mein absolutes Lieblingslied - „Draußen hinterm Fenster”. Fast ärgere ich mich, jetzt schon auf dem Weg zum Auto zu sein.
Zehn Uhr, Hasenschaukel. Ich lümmele in gemütlichem Gammel-Look auf der sofaähnlichen Bank herum, vor mir ein Astra. Statt des Armani-Anzuges trage ich Levis-Jeans und eine Strickjacke von La Martina. Vor mir steht ein Astra. Klar, wir sind ja auf dem Kiez. Eine junge Dame setzt sich, sehr mutig, wie ich finde, an den Tisch direkt neben der Bühne. Eingeklemmt. Vor sich ein Becks und ein Wasser. Merkwürdige Kombination. Ob sie die Künstlerin kennt? Wo ist die eigentlich?
Die Dame steht auf. Geht auf die Bühne, hängt sich eine Gitarre um. Sie ist sichtlich nervös, sagt schüchtern „Hallo”. Und dann fängt sie an zu spielen. Zu singen. Schüchtern? Kein bißchen mehr. Sie steigert sich nach phantastischen Anfang immer weiter, ihre Kompositionen sind unverbraucht, melancholisch bis hin zu beinahe orchestral - und das nur mit einer Stimme und einer Gitarre.
Julia Noack - nun, es ist kein Name, der Glamour verheißt. Wenn sie auf der Bühne steht, ist sie einfach nur ein Mädchen, das Musik macht. Die keine tief ausgeschnittenen Kleider anhaben muß, um ihre Musik wirken zu lassen. Ein gestreiftes T-Shirt, ein einfacher Blazer und Jeans - und sie sieht darin auch noch gut aus.
Bis auf die Schuhe. Die waren gräßlich.